Zweiter Teil meiner Weinserie: Weißwein im Fokus

durch Stefanie Krause-Weise
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Das zweite Bild meiner Weinserie

Heute entsteht mit dem zweiten Motiv ein weiterer Baustein meiner Weinserie. Mir war dabei bewusst wichtig, die gestalterische Linie der ersten Aufnahme nicht zu verlassen, sondern sie gezielt weiterzuführen. Die ersten beiden Bilder sollen eine visuelle Ruhe und Kontinuität tragen, fast wie ein bewusst gesetzter Auftakt. Gerade deshalb habe ich mich entschieden, beide Motive in ihrer Grundsprache sehr ähnlich zu halten und nur mit feinen Abweichungen zu arbeiten. Das nächste Bild der Serie darf dann bewusst aus dieser Zurückhaltung ausbrechen und deutlich spektakulärer werden.

Weißwein steht für mich fotografisch wie atmosphärisch für Leichtigkeit, Klarheit und eine bestimmte Form von kultiviertem Genuss. Anders als kräftigere, schwerere Bildwelten verlangt Weißwein in meiner Wahrnehmung nach einer reduzierten, eleganten Inszenierung. Er lebt nicht von Überladung, sondern von Feinheit. Vielleicht ist es genau das, was ihn für viele Menschen besonders im Frühjahr und Sommer so reizvoll macht: gekühlt, an einem milden Abend, in einem Moment, der nicht laut sein muss, um wertvoll zu sein.

Mich interessiert an diesem Thema nicht nur das Getränk selbst, sondern auch das, was damit verbunden ist. Ein Glas Weißwein ist für mich oft kein beiläufiger Konsum, sondern Teil eines bewussten Augenblicks. Es geht um Atmosphäre, um kleine Rituale, um das Innehalten. Ein guter Schinken, ausgewählter Käse und ein sauber gekühlter Wein genügen häufig vollkommen, um aus wenig etwas Besonderes zu machen. Gerade darin liegt für mich eine Form von Genuss, die nicht auf Überfluss angewiesen ist, sondern auf Qualität, Abstimmung und Aufmerksamkeit.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung alkoholfreier Weine. Noch vor einigen Jahren wurden sie oft eher als Kompromiss gesehen. Heute gibt es Produkte, die geschmacklich ernst zu nehmen sind und eine echte Alternative darstellen. Ich halte das für eine wichtige Entwicklung, weil Genuss damit nicht mehr zwangsläufig an Alkohol gebunden ist. Für Menschen, die bewusst darauf verzichten möchten oder müssen, entsteht so eine Möglichkeit, trotzdem Teil dieser Genusskultur zu sein, ohne auf Geschmack und Stimmung verzichten zu müssen.

Auch der Bildaufbau folgt dieser Haltung. Die schwarze Plexiglasplatte und der schwarze Hintergrund schaffen eine reduzierte Bühne, auf der sich Form, Reflexion und Flüssigkeit klarer herausarbeiten lassen. Die Dunkelheit im Bild ist dabei nicht bloß Kulisse, sondern ein bewusstes Mittel, um den Weißwein selbst stärker wirken zu lassen. Das helle, transparente Element bekommt durch die dunkle Umgebung mehr Präsenz, mehr Tiefe und gleichzeitig eine gewisse Eleganz.

Beleuchtet wurde das Motiv diesmal mit seitlichen Spots und zusätzlichem Licht von oben. Diese Lichtführung war entscheidend, um dem Glas Kontur zu geben, die Reflexe kontrolliert zu setzen und die Flüssigkeit sauber herauszuarbeiten. Gerade bei solchen Aufnahmen zeigt sich, wie sensibel das Zusammenspiel aus Licht, Material und Timing ist. Beim Eingießen musste die Bewegung präzise geführt werden: die Mitte treffen, die Form des Strahls sauber halten und gleichzeitig Spritzer kontrollieren. Solche Momente wirken im fertigen Bild oft selbstverständlich, verlangen technisch aber Konzentration, Wiederholung und ein gutes Gefühl für den exakten Zeitpunkt.

Die Aufnahmedaten zu diesem Bild:
Blende: f/8
Belichtungszeit: 1/250 Sekunde
ISO: 200
Licht: Blitzlicht

Mit einer Blende von f/8 konnte ich genügend Schärfe im Motiv halten und gleichzeitig die Klarheit der Inszenierung sichern. Die kurze Belichtungszeit von 1/250 Sekunde war notwendig, um die Bewegung des Weins präzise einzufrieren. ISO 200 sorgt dabei für eine saubere Bildqualität, ohne unnötige Unruhe ins Motiv zu bringen. Technisch war die Aufnahme also klar auf Kontrolle, Präzision und saubere Lichtführung ausgelegt.

Für mich lebt dieses Bild weniger von Spektakel als von Haltung. Es zeigt, dass Reduktion nicht gleichbedeutend mit Einfachheit ist. Im Gegenteil: Je weniger im Bild vorhanden ist, desto wichtiger wird jede Entscheidung. Jeder Lichtreflex, jede Linie, jede Bewegung des Weins muss stimmen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese Art der Fotografie so fasziniert. Sie zwingt dazu, bewusster zu sehen und präziser zu arbeiten.

Dieses zweite Bild ist damit nicht nur eine Fortsetzung der Serie, sondern auch eine bewusste Vertiefung ihrer Sprache. Es geht nicht allein um Wein. Es geht um Stimmung, um Form, um Konzentration auf das Wesentliche und um die Frage, wie viel Wirkung in einem zurückhaltenden Bild liegen kann.

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