Wenn Lebkuchen plötzlich nach Sommer schmeckt

durch Thomas Stähler
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Sommer Lebkuchen

Wenn Lebkuchen plötzlich nach Sommer schmeckt

Wenn schon Lebkuchen im Sommer, dann bitte auch in einer Sommerversion. Genau dieser Gedanke kam mir, als ich diese Lebkuchen gesehen und natürlich auch probiert habe. Denn eigentlich ist es ja schon ein bisschen verrückt. Du beißt in einen Lebkuchen und sofort passiert etwas im Kopf. Man denkt an Winter, Weihnachten, Glühwein, Kerzenlicht und an diese ruhige Zeit, in der es draußen früh dunkel wird und man es sich drinnen gemütlich macht. Lebkuchen gehört für mich eigentlich genau dorthin. Und dann liegen diese Dinger plötzlich mitten im Sommer vor dir. Im ersten Moment dachte ich wirklich: Muss das jetzt sein? Aber dann habe ich probiert und genau da wurde es für mich spannend.

Denn diese Lebkuchen schmecken nicht einfach nur nach Schokolade und Gewürzen. Jeder hat eine andere Geschmacksrichtung. Zitrone, Orange und Erdbeere. Und ich hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass ich das einmal über einen Lebkuchen sagen würde, aber irgendwie schmeckten sie plötzlich tatsächlich nach Sommer. Fruchtig, frisch und komplett anders als das, was mein Kopf bei dem Wort Lebkuchen eigentlich erwartet. Und dann war die Idee für das Foto eigentlich auch schon da. Wenn der Lebkuchen schon nicht nach Winter schmeckt, dann wollte ich ihn auch nicht wie Weihnachten fotografieren. Keine Tannenzweige, keine Kugeln, kein Zimt und kein typisches Weihnachtsbild. Ich wollte versuchen, genau diesen Widerspruch sichtbar zu machen und dem Lebkuchen eine ganz andere Bühne zu geben.

Also habe ich wieder meine schwarze Plexiglasplatte genommen. Die benutze ich im Moment wirklich sehr gern, weil die Spiegelung dem Bild noch einmal eine ganz andere Tiefe gibt. Dazu kam wieder Licht von hinten, weil ich gerade total Spaß daran habe, mit dieser Art der Beleuchtung zu experimentieren. Diesmal wollte ich aber noch etwas mit hineinbringen, das trotzdem an das Produkt selbst erinnert. Also kam das Gitter dazu. Es erinnert mich ein bisschen an ein Backgitter, auf dem frisch gebackene Sachen liegen und langsam auskühlen. Dazu habe ich weiße Schokolade und Zitronenschale ins Bild gebracht. Gerade die Zitronenschale war mir wichtig, weil sie diesen frischen Geschmack auch optisch wieder aufgreift und das Ganze sofort etwas sommerlicher wirken lässt.

Dann ging natürlich wieder das typische Spiel los. Wo liegt welcher Lebkuchen? Welcher soll vorne sein? Wie viel Spiegelung möchte ich sehen? Wo muss das Licht stehen? Wie verteilt sich die Schokolade? Und wie viel Deko ist genug, bevor aus einer schönen Idee plötzlich zu viel wird? Ich habe einiges hin und her geschoben, wieder weggenommen, neu angeordnet und geschaut, wie sich die Wirkung verändert. Genau das macht für mich bei solchen Bildern einen großen Teil des Fotografierens aus. Man hat am Anfang eine Idee im Kopf, aber das fertige Bild entsteht dann Schritt für Schritt. Manchmal reicht eine kleine Veränderung und plötzlich passt es. Manchmal schaut man drauf und merkt sofort: Nein, genau das stört mich noch.

Am Ende war es besonders das Farbspiel, das mir gefallen hat. Die unterschiedlichen Farben der Lebkuchen, die helle Schokolade und die Zitronenschale auf diesem sehr schlichten, dunklen Hintergrund. Durch das Licht von hinten wirken die Farben noch einmal kräftiger, ohne dass das Foto für mich zu bunt wird. Genau diesen Kontrast wollte ich haben. Dunkel und schlicht im Hintergrund, aber trotzdem frisch und sommerlich im Vordergrund. Eigentlich fotografiere ich dabei nur ein paar Lebkuchen, aber wenn ich vorher darüber nachdenke, was ich mit dem Bild erzählen möchte, verändert sich für mich die komplette Aufnahme. Und genau das mag ich an solchen Experimenten. Aus etwas Alltäglichem kann plötzlich eine ganz andere Geschichte entstehen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich im Moment so gerne mit Licht, Farben und ungewöhnlichen Kombinationen spiele. Ich möchte nicht immer das fotografieren, was man auf den ersten Blick erwartet. Manchmal darf ein Lebkuchen eben auch nach Sommer aussehen. Und ja, ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich diesen Satz einmal schreibe. Aber genau deshalb mag ich das Bild.

Was sagt ihr dazu? Funktioniert Lebkuchen für euch auch im Sommer oder gehört er ganz klar in die Weihnachtszeit? Und soll ich mit solchen ungewöhnlichen Ideen noch ein bisschen weiter experimentieren?

Fotografiert mit der Nikon Z7 und dem Sigma 35 mm bei Blende f/10, 1/125 Sekunde und ISO 100. Für das Licht kamen ein großer Blitz und ein Spotlight zum Einsatz.

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