Wenn der Sommer nach Zitrone schmeckt

durch Thomas Stähler
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Wenn der Sommer nach Zitrone schmeckt

Es gibt Bilder, die kommen genau im richtigen Moment. Dieses hier gehört für mich dazu.

Draußen ist Sommer. Die Tage sind heiß, die Luft steht, und plötzlich wird aus einem einfachen Glas Wasser etwas, das fast schon nach Erfrischung ruft. Wasser trinken ist an solchen Tagen wichtig, keine Frage. Aber ganz ehrlich: Wer hat schon immer Lust auf Wasser ohne Geschmack?

Genau da kommt die Zitrone ins Spiel.

Säuerlich. Frisch. Klar. Direkt.

Eine Zitrone macht aus einem einfachen Glas Wasser nicht gleich ein großes Erlebnis, aber sie verändert etwas. Sie bringt Frische hinein. Sie gibt dem Wasser Charakter. Und manchmal reicht genau das, um an einem heißen Sommertag kurz durchzuatmen.

Bei diesem Bild läuft mir fast automatisch das Wasser im Mund zusammen. Dieses kalte Glas, die Zitrone, die dunkle Spiegelung, das klare Licht. Es ist schlicht aufgebaut, aber genau deshalb wirkt es so stark. Man sieht nicht viel, aber man fühlt sofort etwas.

Frische. Sommer. Durst. Erinnerung.

Ich musste beim Fotografieren direkt an meine Kindheit denken. Ich war als Kind wirklich verrückt nach Zitronen. Während andere schon beim Gedanken daran das Gesicht verzogen haben, konnte ich nicht genug davon bekommen. Ich habe Zitronen nicht nur probiert, ich habe sie gegessen. Manchmal saß ich sogar mit einem Löffel da und habe sie ausgelöffelt wie eine Grapefruit.

Ja, wahrscheinlich war ich ein bisschen verrückt.

Aber ganz ehrlich: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Mein Papa liebt Zitronen genauso. Vielleicht liegt es also in der Familie.

Dieses Gefühl, wenn einem schon das Wasser im Mund zusammenläuft, bevor man überhaupt hineingebissen hat. Weil man genau weiß: Jetzt wird es heftig. Jetzt zieht sich alles zusammen. Der Mund, die Augen, manchmal sogar das ganze Gesicht.

Und dann gibt es diese zwei Arten von Menschen.

Die einen verziehen sofort das Gesicht.

Die anderen bleiben cool und tun so, als wäre nichts.

Aber innerlich passiert bei allen etwas.

Vielleicht ist es genau das, was Zitronen so besonders macht. Sie sind nicht bequem. Sie sind nicht weich. Sie sind nicht süß, um jedem zu gefallen. Sie sind klar, intensiv und ehrlich. Eine Zitrone hält sich nicht zurück.

Und vielleicht passt sie deshalb so gut zum Sommer.

Denn Sommer ist nicht nur Sonne, Leichtigkeit und schöne Abende. Sommer ist auch Hitze, Durst, Schweiß, flirrende Luft und der Wunsch nach einem Moment, der einen wieder wach macht.

Ein Glas Wasser mit Zitrone kann genau so ein Moment sein.

Ein kleiner Schnitt.

Ein klarer Geschmack.

Ein kurzer Frischekick.

Man sagt ja so schön: Sauer macht lustig. Vielleicht stimmt das nicht immer wörtlich. Aber sauer macht auf jeden Fall wach. Sauer bringt etwas in Bewegung. Sauer ist ein Geschmack, den man nicht einfach nebenbei ignoriert.

Und genau deshalb mag ich dieses Bild.

Es ist kein lautes Sommerbild. Keine bunten Farben, keine überladene Szene, kein großes Drumherum. Nur zwei Zitronen, ein Glas, Wasser, ein schwarzer Hintergrund, schwarzes Plexiglas und das richtige Timing.

Mehr braucht es manchmal nicht.

Das Licht setzt die Zitrone klar in Szene. Die Spiegelung gibt dem Bild Tiefe. Der dunkle Hintergrund nimmt alles Unnötige heraus. Und der Moment, in dem Wasser, Glas und Zitrone zusammenkommen, macht aus einer einfachen Idee ein Bild, das sofort eine Geschichte erzählt.

Eine Geschichte von Sommer.

Von Kindheit.

Von Geschmack.

Von Frische.

Und vielleicht auch ein bisschen von diesem kleinen Mut, in etwas hineinzubeißen, obwohl man genau weiß, dass es sauer wird.

Bildaufbau

Der Aufbau war bewusst schlicht gehalten:

Zwei Zitronen.
Ein Glas.
Wasser.
Schwarzer Hintergrund.
Schwarzes Plexiglas.
Und vor allem: perfektes Timing.

Kameraeinstellungen

Blende: f/8
ISO: 200
Belichtungszeit: 1/250 Sekunde
Licht: 2 kleine Spotlights

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