Was ein Friseurbesuch so alles bewirken kann
Manchmal braucht es gar nicht viel für eine neue Bildidee. In diesem Fall war es tatsächlich einfach ein Besuch beim Friseur.
Ich hatte mir dort eine neue Haarwäsche mitgenommen und zuhause kam mir ziemlich schnell der Gedanke: Warum eigentlich nicht mal wieder ein ganz klassisches Produktfoto machen? Kein großes Set, keine aufwendige Geschichte drumherum. Einfach das Produkt und Licht.
Die Idee war schnell da. Die Umsetzung war dann, wie so oft bei meinen spontanen Ideen, etwas anderes.
Also habe ich erst einmal in meinem ganzen Equipment gewühlt und geschaut, was sich irgendwie verwenden lässt. Dabei fiel mir eine transparente Plexiglaswanne in die Hände. Perfekt. Das Shampoo kam hinein und anschließend habe ich die Wanne langsam mit Wasser gefüllt.
Zwei Blitze waren schnell aufgebaut. Dabei musste ich vor allem darauf achten, dass sich das Licht nicht zu stark auf der Flasche spiegelt. Gerade bei Produktfotografie ist das für mich einer der wichtigsten Punkte: Das Produkt darf natürlich glänzen und das Licht soll sichtbar sein, aber Schrift und Details müssen trotzdem sauber lesbar bleiben. Klingt selbstverständlich, aber genau das vergesse ich selbst zwischendurch auch gerne einmal, wenn ich zu sehr mit dem Licht spiele.
Dann kamen die ersten Probeaufnahmen.
Zuerst habe ich immer mehr Wasser eingefüllt, aber irgendwie hat mich das Ergebnis noch nicht überzeugt. Es war mir einfach zu ruhig. Also kam meine kleine Windmaschine zum Einsatz. Damit habe ich leichte Wellen im Wasser erzeugt und plötzlich wurde es interessant. Durch die Bewegung hat sich das Licht im Wasser ständig anders gebrochen und tatsächlich sah fast jedes Bild ein wenig anders aus.
Genau solche Momente mag ich bei meinen Shootings. Man hat vorher eine Idee im Kopf und plötzlich passiert etwas, das man so gar nicht geplant hatte.
Natürlich habe ich dann wieder angefangen zu spielen. Licht von unten, unterschiedliche Winkel, Aufnahmen, bei denen Teile bewusst unscharf und verschwommen wirkten. Es gab einige Varianten, die spannend aussahen. Am Ende bin ich aber wieder bei dem Bild gelandet, das eigentlich am einfachsten war.
Clean. Ruhig. Ohne Schnickschnack.
Auch beim Hintergrund habe ich mich ganz bewusst wieder für Schwarz entschieden. Das kennt ihr von vielen meiner Bilder. Gerade bei diesem Produkt sorgt der schwarze Molton dafür, dass die Flasche sehr klar hervortritt und das Licht auf dem Wasser stärker zur Wirkung kommt. Für mich brauchte es am Ende gar nicht mehr.
Und eigentlich finde ich genau das spannend: Aus einem ganz normalen Friseurbesuch, einer Flasche Shampoo und ein bisschen Herumprobieren entsteht plötzlich ein neues Bild.
Meine Einstellungen und das Setup:
Blende: f/11
Belichtungszeit: 1/160 Sek.
ISO: 400
2 Spotlights
Schwarzer Molton
Transparente Plexiglaswanne mit Wasser
Kleine Windmaschine