Ciabatta mit Geschichte
Ein paar Stücke Ciabatta, einige Krümel und ganz viel Schwarz. Das Licht fällt auf die goldbraune Kruste, macht die luftige Struktur des Brotes sichtbar und lässt die einzelnen Stücke auf der glänzenden Oberfläche spiegeln. Keine Dekoration, keine weiteren Zutaten, nichts, was vom eigentlichen Motiv ablenkt. Genau so wollte ich dieses Bild haben. Schlicht, ruhig und auf das Wesentliche reduziert. Doch wenn ich mir dieses Foto heute anschaue, sehe ich nicht einfach nur Brot. Ich erinnere mich an eine Begegnung, die mich sehr berührt und nachdenklich gemacht hat. Und genau diese Geschichte möchte ich heute mit euch teilen.
Es war ein Freitagmorgen. Ich wollte gerade mit meinem Welpen Gassi gehen, als mich eine meiner Nachbarinnen ansprach. Sie fragte mich, ob ich frisches Brot mögen würde. Im ersten Moment war ich etwas verwundert. Natürlich mag ich frisches Brot. Sie erzählte mir, dass sie gerade welches geholt hätte und mir gerne etwas davon schenken möchte. Ich wollte zunächst ablehnen, aber sie bestand darauf. Dann öffnete sie den Kofferraum ihres Autos. Und ich staunte. Der ganze Kofferraum war voller Brot und Gebäck. Ich fragte mich natürlich, wofür sie so viel Brot brauchte. Dann erzählte sie mir, dass sie einmal im Monat eine große Menge Brot holt, um es an arme Menschen zu verschenken. In diesem Moment wurde ich ganz still.
Ich war wirklich gerührt. Da steht meine Nachbarin vor mir, mit einem Kofferraum voller Brot, und erzählt mir ganz selbstverständlich, dass sie regelmäßig Menschen hilft, denen es nicht so gut geht. Ich sagte ihr, wie toll ich das finde und wie sehr ich das schätze. Gleichzeitig wollte ich nun erst recht kein Brot annehmen. Schließlich sollte sie auch das, was sie mir schenken wollte, lieber an Menschen weitergeben, die es dringender brauchen. Aber sie ließ nicht locker. Sie wollte mir unbedingt eine Freude machen. Und irgendwann verstand ich, dass auch das zu ihrer Art gehört, mit anderen Menschen umzugehen. Einfach etwas geben, ohne dafür etwas zu erwarten. Also nahm ich zwei kleine Ciabatta an und bedankte mich bei ihr. Vor allem aber dafür, dass sie sich so selbstverständlich um andere Menschen kümmert.
Mit meinem Brot ging ich nach Hause, machte anschließend meinen Spaziergang mit dem Hund und ging danach direkt in mein Studio. Ich wollte diese beiden kleinen Brote fotografieren. Nicht, weil sie besonders außergewöhnlich aussahen, sondern weil ich diesen Moment festhalten wollte. Die Begegnung, die Geschichte dahinter und vor allem die Gedanken, die sie bei mir ausgelöst hatte. Deshalb habe ich mich bei der Aufnahme auch ganz bewusst auf das Brot konzentriert. Der schwarze Hintergrund, das gezielte Licht, die Spiegelung und die wenigen Krümel sollten für sich wirken. Alles andere hätte für mich nur von dem abgelenkt, worum es bei diesem Bild eigentlich geht.
Diese kleine Begegnung hat mir wieder einmal gezeigt, wie viel wir füreinander tun können. Manchmal sind es ganz einfache Dinge, mit denen wir anderen helfen oder ihnen eine Freude machen können. Vielleicht sollten wir im Alltag öfter aufeinander achten und uns gegenseitig ein wenig mehr unterstützen. Und jedes Mal, wenn ich dieses Bild anschaue, werde ich an meine Nachbarin und ihren Kofferraum voller Brot denken.